Agentur für Erneuerbare Energien (AEE): Verursacht Biogas Monokulturen?

Monokulturen liegen nicht im Interesse des Landwirts und Biogasanlagenbetreibers. Die Ausweitung des Energiepflanzenanbaus ist vielmehr ein Anreiz zur Diversifizierung mit neuen, ökologisch und ökonomisch optimierten Anbaukonzepten.

Nicht Monokulturen, sondern viele Wege führen zum Biogas.

Eine Biogasanlage kann vieles „verdauen“: Sowohl aus Energiepflanzen (z.B. Mais, Getreide, Chinaschilf), aus Ernterückständen (z.B. Rübenblätter), tierischen Exkrementen (z.B. Gülle, Mist), Nebenprodukten der Lebensmittelproduktion (z.B. Kartoffelschalen) oder organischen Abfällen (z.B. Klärschlamm) kann Biogas gewonnen werden. Je wichtiger die energetische Nutzung von Biomasse wird, desto stärker wird auch die Nutzungspalette ausgeweitet werden.

Im Vergleich zur Nahrungsmittelproduktion steht die Züchtung von Energiepflanzen gerade am Anfang. Diese neue und notwendige Entwicklung hat erst der Bonus für Nachwachsende Rohstoffe im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ermöglicht. Durch neue Erkenntnisse und technologische Entwicklungen werden ständig die Anbaumethoden und die Sorten verbessert. Daher sind noch enorme Ertragssteigerungen möglich, die mit konventionellen Mitteln ohne Gentechnik erreicht werden können. Eine große Chance auf Ertragssteigerung besteht in der Nutzung und Weiterentwicklung geeigneter Pflanzensorten und Pflanzenarten aus dem großen Pool genetischer Ressourcen.

Ökologisch optimierte Energiepflanzenanbausysteme, die auf Ertragssteigerungen für die Biogaserzeugung zielen, werden derzeit erforscht. Diese Forschungs- und Entwicklungsarbeiten bedürfen weiterer Unterstützung. Ebenfalls wird bereits konventionell gezüchteter und für Biogas optimierter Mais angeboten.

Im Vergleich zu Nahrungsmittelpflanzen werden beim Anbau von Energiepflanzen bereits weniger Pflanzenschutz- und mineralische Düngemittel benötigt. Weitere Anstrengungen sind jedoch nötig, um neue Anbausysteme mit optimierten Fruchtfolgen und Energiepflanzensorten in der Praxis zu etablieren.

Die Nutzung von Biogas bietet viele ökologisch wichtige Vorteile, wie zum Beispiel ein gutes Energie-Input-Output-Verhältnis, hohe spezifische Energieausbeute pro Fläche und einen weitgehend geschlossenen Nährstoff-Kreislauf.

Auf den Anbau von Energiepflanzen für Biogas wirken sich auch Vorgaben der EU aus („Cross Compliance“). Zum Beispiel verhindern diese schon heute indirekt über ihre Anforderungen an Humusbilanzen einen zu hohen Anteil von Mais in der Fruchtfolge sowie direkt über die Fruchtfolgerestriktionen. Darüber hinaus müssen Vorgaben zur Bodenerhaltung beim Pflanzenschutz und der Nitratrichtlinie berücksichtigt werden. Nach deutschen Vorgaben müssen im Rahmen der „Guten fachlichen Praxis“ (GfP) eine Reihe von Bestimmungen aus dem landwirtschaftlichen Fachrecht eingehalten werden, so z.B. das Pflanzenschutzgesetz, das Bundesbodenschutzgesetz und die Düngeverordnung.

Die Kulturlandschaft wird durch die Nutzung von Biogas somit nicht grundlegend verändert. Die aufgeführten rechtlichen Bestimmungen und die notwendige Fruchtfolge verbieten den dauerhaften Anbau derselben Kulturpflanzensorte. Bereits aus eigenem ökonomischem und ökologischem Interesse heraus würde ein Landwirt sein kostbarstes Gut – einen ertragsstarken Boden – nicht durch unsachgemäße Bewirtschaftung gefährden.

Auch aus Betreiber- bzw. Abnehmersicht wäre eine Eingrenzung der Rohstoffbasis auf nur eine Energiepflanzenart ökonomisch wenig sinnvoll, würden doch Verknappungen und Preissteigerungen den wirtschaftlichen Betrieb einer Biokraftstoff- bzw. Biogasanlage dann umso stärker gefährden. Die Vielfalt in der Rohstoffbereitstellung bzw. -verwertung stärkt Nachhaltigkeit und Sicherheit.

Energiepflanzen leisten einen wichtigen Beitrag zu Sicherung und Stärkung von Biodiversität.

Eine Vielfalt von Pflanzen kann für die Biogaserzeugung genutzt werden. Neben Mais können viele andere Getreidearten, wie Roggen, Hirse und Sudangras als Energiepflanzen für die Biogaserzeugung angebaut werden.

Neue Anbaukonzepte wie z.B. mit mehreren Ernten pro Jahr, Mischkulturen und ein extensiver Anbau von Energiepflanzen können somit auch einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten. Bisher kaum genutzte, in Vergessenheit geratene Ölpflanzen werden z.B. für die energetische Nutzung wieder attraktiv.

Besonders Mischfruchtanbau, Kurzumtriebsplantagen mit schnell wachsenden Baumarten sowie Agroforstsysteme bieten interessante Perspektiven für ein Zusammenspiel von Landwirtschaft und Naturschutz.

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) führt seit 2005 deutschlandweit eines der bisher umfangreichsten Projekte zur ökologischen und ökonomischen Optimierung von Anbausystemen für Energiepflanzen durch. Ziel ist es, die Bioenergieversorgung der Zukunft auf ein noch breiteres Artenfundament zu stellen. Diese Förderaktivitäten müssen dauerhaft in den Bundesländern integriert bleiben.

 Unter diesem Link finden Sie den Artikel auf der Homepage der AEE

FiF und die Biogas-Tour im Web 2.0: