Fachverband Biogas e.V. ruft zum Projekt "Farbe ins Feld" (FiF) auf
Zur Erreichung der Klimaschutzziele spielt der erneuerbare Energieträger Biogas und damit die Biomassenutzung eine zentrale Rolle. Für den weiteren Ausbau der Energieerzeugung aus Biogas ist der Erhalt einer breiten Akzeptanz in der Bevölkerung unerlässlich. Daher muss der Biomasseanbau zur Biogaserzeugung noch nachhaltiger und naturverträglicher erfolgen.

Bildquelle: M. Schwabe, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft
Zunehmend sorgt der Anbau von Energiepflanzen, insbesondere von Mais, für Kritik. Die gesamte Maisanbaufläche für den Futter-, Nahrungsmittel- und Energiebereich betrug zur Aussaat 2010 rund 2,3 Millionen Hektar, was 19,4 Prozent der Ackerfläche (12 Millionen Hektar) in Deutschland entspricht. Von der Gesamtmaisanbaufläche nimmt der Energiemais für Biogasanlagen lediglich 0,5 Millionen Hektar (4 Prozent der Ackerfläche) ein. Dennoch kommt es regional zu Konzentrationserscheinungen, vor allem in Gebieten mit einer hohen Dichte von Viehhaltungsbetrieben und Biogasanlagen. Daher nimmt der Fachverband Biogas die Sorgen der Bevölkerung ernst und möchte mit FiF zu sinnvollen ökologischen Maßnahmen in der Landwirtschaft motivieren.
Ziel des Projektes „Farbe ins Feld“ (FiF) ist es, deutschlandweit ökologisch sinnvolle Blühstreifen an und in Energiepflanzenfelder zu bringen. Der Fachverband Biogas e.V. sieht große Informationsdefizite bei den Bürger/-innen in Bezug auf Biogas. Aus diesem Grund möchte der Fachverband mit verschiedenen Aktionen, die Menschen über den Alleskönner Biogas und seine Vorteile informieren sowie auch ein optisches Zeichen durch ökologisch wertvolle Blühflächen an Energiepflanzenfelder setzen.

Quelle: M. Schwabe, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft
Wichtig ist, die Öffentlichkeit sowie besonders die Anwohner/innen über Biogasanlagen zu informieren, aufzuklären und mögliche Vorbehalte abzubauen. Den aus der Vergangenheit resultierenden meist schlechten Ruf der Maispflanze in der Bevölkerung gilt es, durch positive Argumentation aufzuheben. Die Bedenken und Kritik bezüglich des Energiepflanzenanbaus müssen ernst genommen werden, um ein positives Image der Biogaserzeugung und -nutzung zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Daher ist es höchste Zeit, mit Lösungsvorschlägen zu reagieren. Sichtbare und ökologisch sinnvolle Signale/Maßnahmen sind für eine positive Argumentation pro Energiepflanzenanbau und Biogas notwendig.
Die Vorteile von Blühflächen liegen auf der Hand:
-
Blühstreifen sind als Nahrungsquelle und Lebensraum wichtig für viele Blüten besuchende Insekten, wie z.B. Schmetterlinge und Bienen, sowie für zahlreiche andere Tierarten (z.B. Vögel).
-
Unter den Tieren, die von Blühstreifen profitieren, befinden sich zahlreiche landwirtschaftliche Nützlinge (z.B. Marienkäfer), die einen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung leisten.
-
Der Erhalt der Vegetationsstruktur im Winter ermöglicht es den Wildtieren in der Agrarlandschaft, auch in der kühlen Jahreszeit ausreichend Deckung zu finden und schützt die im Boden überwinternden Lebewesen vor dem Kältetod.
-
Blühstreifen sind wichtige Rückzugslebensräume, von denen aus die angrenzenden Agrarflächen nach der Ernte wieder besiedelt werden können.
-
Als Erosionsschutzstreifen angelegt können Blühstreifen zum Beispiel auf abschüssigen Flächen den Bodenabtrag verhindern.
Blühflächen werten die Landschaft optisch auf und bringen sie wieder zum Blühen. Der Erholungswert der Landschaft steigt und erhöht die Lebensqualität für den Menschen. Die bewusste und positive Wahrnehmung der Bevölkerung bringt einen Imagegewinn für die Landwirtschaft. Des Weiteren können Blühstreifen ab einer bestimmten Breite auch zur Lösung der Bejagungsschwierigkeiten von Schwarzwild im Mais beitragen.
Die meisten Bundesländer sehen die Naturschutzmaßnahme „Blühstreifen“ als so wichtig und notwendig an, dass sie hohe Fördermittel (bis zu 950 €/ha, z.B. in NRW) bereitstellen. Der Fachverband Biogas empfiehlt die Anlage von mehrjärigen Blühstreifen, die nicht geerntet, gedüngt und gespritzt werden. Hierfür gibt es etablierte Blühsaatgutmischungen, die bereits von vielen Landwirten erfolgreich zur Anlage von Blühstreifen genutzt werden. Problemwildkräuter, die von den Blühflächen in den Acker wandern könnten, sind bei der Zusammenstellung der Samenmischungen bewusst gemieden worden.
Als begleitende und aus Sicht des Boden- und Erosionsschutzes sehr sinnvolle Maßnahme haben sich im Maisanbau auch Untersaaten bewährt. Diese können bei früher Aussaat das Auflaufen von unerwünschten Wildkräutern unterdrücken. Zudem fördern sie durch die ober- und unterirdische Pflanzenmasse das Bodenleben und die Humusbildung.
Zur besseren Information hat der Fachverband Infotafeln für Energiepflanzenfelder und Biogasanlagen sowie große Banner für Biogas-Fermenter entworfen, die auf die Nutzung der Pflanzen für die erneuerbare Energieerzeugung hinweisen. So kann die Öffentlichkeit mehr über den Alleskönner und Klimaschützer Biogas erfahren.
Das FiF-Projekt soll in den kommenden Jahren sukzessive ausgeweitet und in ganz Deutschland umgesetzt werden.
Es lebt davon, dass möglichst viele Biogasanlagenbetreiber und weitere Landwirte mitmachen, damit der Effekt
auch optisch immer stärker in der Landschaft sichtbar wird!

